Kaum jemand denkt beim Auspacken eines Pakets darüber nach, was er da eigentlich in den Händen hält. Dabei steckt in jedem Wellpappbogen mehr Ingenieurskunst als in den meisten Möbeln aus dem Möbelhaus. Wer Wellpappe kaufen möchte – ob als Bogenware für die eigene Produktion oder für den Bastelkeller – steht plötzlich vor Begriffen wie B-Welle, BC-Doppelwelle oder Kraftliner und fragt sich: Was davon brauche ich jetzt eigentlich?

Kurze Antwort: kommt drauf an. Lange Antwort: die nächsten paar Absätze.

Ein Klassiker, der seit 150 Jahren nicht in Rente geht

Wellpappe gibt es seit rund 150 Jahren, und statt langsam auszusterben, wird sie immer beliebter. Der Grund ist simpel: Kaum ein anderes Material bringt so viel Steifigkeit bei so wenig Eigengewicht mit. Genau diese Kombination macht sie für so ziemlich jedes Anwendungsfeld interessant – vom Versandkarton bis zum Messebau.

Dazu kommt der Nachhaltigkeitsfaktor. Wellpappe besteht im Schnitt zu 80 Prozent aus recyceltem Papier, und nach dem Gebrauch wandert sie einfach wieder ins Recycling und dient erneut als Rohstoff. Kreislaufwirtschaft, bevor das Wort erfunden wurde.

Einwellig oder doppelwellig – der Unterschied in 60 Sekunden

Einwellige Wellpappe ist der Standardfall: eine Wellenbahn, beidseitig mit je einer Deckbahn beklebt (außen und innen). Das ist die gängigste Wellpappart überhaupt und gibt es in praktisch jeder Stärke und Qualität.

Wer mehr Stabilität braucht, geht eine Stufe höher: Verbindet man die einwellige Wellpappe mit einer einseitig beklebten Pappe, entsteht zweiwelliger Karton mit deutlich höheren Festigkeitswerten.

Spannend wird es bei der Frage, welche Wellen dabei kombiniert werden. Meist trifft eine Grob- oder Mittelwelle auf eine Feinwelle – klassisches Beispiel: B-Welle plus C-Welle ergibt die BC-Doppelwelle. Genauso funktioniert aber auch Feinwelle plus Feinstwelle, etwa B-Welle und E-Welle zur BE-Doppelwelle.

Warum die grobe Welle nach innen gehört

Das ist einer dieser Punkte, die man einmal verstanden hat und danach nie wieder vergisst: Bei Verpackungen kommt die grobere Wellenart nach innen. Sie hat die größere Wellenhöhe und damit die bessere Polsterfähigkeit – sie fängt Stöße ab. Die feinere Welle liegt außen und schützt vor mechanischen Beanspruchungen.

Nebeneffekt: Die enge Wellenteilung auf der Außenseite verbessert die Bedruckbarkeit. Wer also Druckbild will, profitiert von der feinen Außenwelle gleich doppelt.

Und daraus ergibt sich die Faustregel für die Materialwahl:

  • Je höher Wellenbreite und Wellenhöhe der Außenwelle, desto besser der Schutz gegen mechanische Beanspruchung von außen.
  • Für empfindliche Güter ist deshalb die BC-Doppelwelle die bessere Wahl als die BE-Doppelwelle.
  • Geht es dagegen um ein sauberes Druckbild, hat die BE-Doppelwelle die Nase vorn.

Zwei Kriterien, die selten in dieselbe Richtung zeigen – die ehrliche Antwort lautet also fast immer: Was ist Ihnen wichtiger, Schutz oder Optik?

Warum es Bogenware gibt (und keine Rolle)

Einseitig geklebter Wellkarton ist so flexibel, dass er sich rollen lässt. Ein- und zweiwellige Wellpappe dagegen ist dafür schlicht zu steif. Deshalb schneidet die Wellpappen-Industrie sie zu Bogenware in verschiedensten Größen zu – fertig zur Weiterverarbeitung.

Und aus diesen Bögen wird dann eine ganze Menge: Schachteln und Kartons aller Art, Umzugskartons, Obststeigen, Schuhkartons, Archivboxen oder Verpackungskartons für Fernsehgeräte. Der Bogen ist sozusagen die Leinwand, alles andere ist Zuschnitt.

Altpapier schlägt Holz – aus mehreren Gründen

Für die Herstellung von Wellpappe braucht es zwei Rohstoffe: Holz und Altpapier. Holz wächst zwar nach, ist aber trotzdem nicht unbegrenzt verfügbar. Bei Wellpappe aus Frischfasern und Zellstoff ist die deutsche Wellpappen-Industrie deshalb auf teure Importe angewiesen.

Die Hälfte der Kraftlinerpapiere für die Branche kommt aus Schweden, wo rund 50 Prozent der Wälder FSC-zertifiziert sind. Weitere wichtige Lieferländer sind Frankreich, Polen und Österreich.

Deutlich günstiger als Holz ist schlicht altes Papier. Es geht als Sekundärrohstoff zurück in den Produktionsprozess und ersetzt dort einen Großteil des Holzes.

Recycling bis zum letzten Faserrest

In Deutschland werden fast 100 Prozent aller gebrauchten Papier- und Wellpapp-Erzeugnisse – Zeitungen, Schachteln, Kartons – nach der Nutzung dem Recycling zugeführt. Interessant dabei: Nur ein geringer Teil davon stammt aus Privathaushalten. Der weitaus größere Anteil fällt im Einzelhandel und in Industriebetrieben an.

Diese gesammelten Papierabfälle sind der Rohstoff für neue Wellpappprodukte. Ganz verlustfrei geht das nicht – mit jedem Recyclingdurchlauf sinkt die Qualität der Papierfasern. Aber selbst dann ist noch nicht Schluss: Fasern, die sich nicht mehr für die Wiederverwertung eignen, lassen sich kompostieren oder zur thermischen Energieerzeugung nutzen. Dort ersetzen sie fossile Brennstoffe – was der Umwelt am Ende wieder zugutekommt.

Wellpappe kaufen: Was im Sortiment bei Kartonfritze steckt

Wer Wellpappe als Bogenware sucht, hat bei Kartonfritze die Wahl zwischen einwelligen und doppelwelligen Qualitäten:

Einwellig: B-Welle, C-Welle, E-Welle Doppelwellig: BC-Doppelwelle, BC-Doppelhartwelle, EB-Doppelwelle, EE-Doppelwelle (auch als offene EE-Welle)

Bei den Formaten geht die Spanne von 1020 x 1620 mm über die Klassiker 1200 x 2400 mm und 1200 x 3000 mm bis hin zu Großformaten wie 1800 x 2400 mm oder 1800 x 2500 mm.

Farblich muss es übrigens nicht immer klassisch braun sein. Neben Braun gibt es weiße Bögen – etwa die dreilagige 1.30 E-Welle mit Kraftliner weiß auf beiden Seiten – sowie farbige Varianten in Rot, Blau, Grün, Olivgrün, Gelb, Orange und Schwarz, meist einseitig gefärbt mit matt weißer Innenseite. Damit findet sich für nahezu jede Verpackungsidee die passende Grundlage.

Preislich läuft alles über Staffelpreise: Ab 1, 10, 50, 100, 250, 500 oder 1000 Stück sinkt der Stückpreis teilweise deutlich – bei manchen Qualitäten mehr als die Hälfte zwischen Einzelbogen und Großmenge. Wer regelmäßig verarbeitet, sollte also einmal durchrechnen, ob sich die nächstgrößere Staffel lohnt.

Geliefert wird per Versand, Abholung ist ebenfalls möglich – allerdings nur nach Avis, montags bis freitags zwischen 10:30 und 13:00 Uhr. Ein Teil der Artikel wird ausschließlich per Vorkasse geliefert, das steht jeweils direkt beim Produkt.

Noch unschlüssig?

Wenn Sie nach all dem immer noch zwischen BC und EB schwanken oder nicht sicher sind, welches Format am wenigsten Verschnitt produziert: einfach melden. Kartonfritze ist Spezialist für Karton aller Art, und eine kurze Beratung spart am Ende meistens mehr, als sie kostet.

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